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Besonderheiten im Handel

Die Rahmenbedingungen für Selbstständige im Einzelhandel sind von einem intensiven Wettbewerb und einer hohen Arbeitsbelastung aufgrund der langen Ladenöffnungszeiten gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund kann für Existenzgründer die Übernahme eines bestehenden Betriebes eine interessante Alternative zur Neugründung sein. Schließlich können die Vorteile für den Nachfolger darin bestehen, die gebrauchte Ladeneinrichtung preisgünstig zu erwerben und darüber hinaus einen Standort mit einer festen Stammkundschaft zu übernehmen. Die branchenspezifischen Besonderheiten liegen vor allem bei der Suche und Auswahl sowie finanziellen und rechtlichen Aspekten. 

Suche und Auswahl: Standort des Unternehmens beeinflusst maßgeblich Erfolg oder Misserfolg

Zwar müssen für die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit im Einzelhandel in der Regel keine besonderen Qualifikationen nachgewiesen werden, dennoch sollte der Nachfolger über fundierte fachliche und kaufmännische Kenntnisse in der entsprechenden Handelsbranche verfügen. 

Allerdings zählt im Einzelhandel neben den persönlichen Eigenschaften und der Fachkompetenz des Unternehmens im Vergleich zu anderen Branchen der Standort des Unternehmens zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. In Abhängigkeit vom jeweiligen Geschäftskonzept ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an den Standort. Vor einer geplanten Geschäftsübernahme muss der Nachfolger zunächst analysieren, welche Standortfaktoren für ihn relevant sind. Die Standortanalyse umfasst hierbei Faktoren wie beispielsweise Erreichbarkeit, Kaufkraft, Wettbewerbssituation oder die voraussichtliche zukünftige Entwicklung im Umfeld. Im zweiten Schritt gilt es dann zu überprüfen, ob das zu übernehmende Einzelhandelsunternehmen die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt.   

Finanzen: Warenwert wichtiger Bestandteil des Unternehmenswertes

Der Einzelhandel ist ein eher wachstumsschwacher Wirtschaftsbereich und gekennzeichnet von einer hohen Wettbewerbsintensität und einer schwachen Ertragskraft. Weiterhin sagen Prognosen voraus, dass der Anteil des Einzelhandelsumsatzes am privaten Verbrauch tendenziell abnehmen wird und sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten schnell verändern kann. So wird zum Beispiel das Einkaufen über das Internet immer beliebter. 

Aus Bankensicht zeichnet sich die Branche daher durch ein hohes Risiko aus, so dass für die Aufnahme von Krediten hohe Sicherheiten erforderlich sind und die Zinsbelastung überdurchschnittlich ist. Bei der Ermittlung des Kaufpreises fließt beim Einzelhandel im Vergleich zu anderen Branchen der Warenwert als maßgeblicher Teil in die Unternehmensbewertung ein. Der Warenbestand zählt zur Basisausstattung und bindet dauerhaft Kapital, das in der Finanzierungsplanung berücksichtigt werden muss. Bei der Bewertung des vorhandenen Warenlagers des zu übernehmenden Unternehmens sollten Alter und Verkäuflichkeit kritisch begutachtet werden. Hierbei sind in der Regel Teilwertabschläge vom Einkaufspreis vorzunehmen, die mit dem Übergeber verhandelt werden müssen. Zwar besteht die Möglichkeit, den vorhandenen Warenbestand über einen Räumungsverkauf zu veräußern, allerdings sollten hierbei mögliche negative Auswirkungen auf Markt und Image sorgfältig abgewogen werden. Zu den weiteren Bestandteilen des Kaufpreises zählen der Wert für die gesamte Geschäftseinrichtung sowie der immaterielle Firmenwert. Auch im Einzelhandel findet mittlerweile bei der Unternehmensbewertung neben dem Substanzwertverfahren zunehmend das Ertragswertverfahren Anwendung. Der Kaufpreis für ein Handelsunternehmen entspricht hierbei in etwa dem fünf- bis achtfachen des bereinigten Gewinns. 

Recht: Mögliche Gewährleistungsansprüche im Auge haben

Für die Führung eines Handelsunternehmens müssen bis auf wenige Ausnahmen keine besonderen Voraussetzungen erfüllt werden. Nur in einigen Bereichen besteht eine Genehmigungspflicht – beispielsweise beim Handel mit Waffen, freiverkäuflichen Arzneimitteln oder Tieren. 

Für die Nutzung des Ladenlokals wird verhältnismäßig häufig ein Miet- oder Pachtverhältnis abgeschlossen. Die Gefahren bzw. Konditionen bei einer Übertragung des Vertragsverhältnisses vom Übergeber auf den Nachfolger müssen berücksichtigt werden. Es gilt des Weiteren zu klären, welche Ansprüche aus der Pflicht zur Gewährleistung oder aus der Ausgabe von Gutscheinen durch den Übergeber noch vom Übernehmer nach der Unternehmensnachfolge erfüllt werden müssen. 

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Ansprechpartner

Foto: zwei Puzzleteile

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Praxisbeispiel Markt Drogerie Carl Junghanß

Foto: Ladenfrontansicht

Eine unerwartete Nachfolge zwingt zu schnellen und schwierigen Entscheidungen. 

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