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Handwerk

Mit seinen zahlreichen kleinen und mittleren Betrieben gehört das Handwerk in Deutschland zu den vielseitigsten Wirtschaftsbereichen. Zu den Kunden zählen sowohl private Verbraucher als auch Industrie und Handel sowie die öffentliche Hand. Handwerksunternehmen erbringen ihre Leistungen zumeist im lokalen und regionalen Umfeld. In kaum einem anderen Wirtschaftsbereich gehört die unternehmerische Selbstständigkeit so zur Selbstverständlichkeit wie im Handwerk. Vor diesem Hintergrund kann die Übernahme bzw. Übergabe eines bestehenden Handwerksbetriebes eine interessante Option sein, jedoch sollten hierbei die Besonderheiten insbesondere in Bezug auf die Suche und Auswahl eines Nachfolgers sowie finanzielle und rechtliche Aspekte Berücksichtigung finden. 

Suche und Auswahl: Zulassungsvoraussetzungen der Handwerksordnung können Nachfolgeregelung beeinflussen

Die Handwerksordnung regelt in Deutschland das handwerkliche Gewerbe. Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger muss daher überprüft werden, ob für die Übernahme des Betriebes die Zulassungsvoraussetzungen des jeweiligen Handwerks erfüllt werden.  

Hierbei unterscheidet die Handwerksordnung zwischen zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerken; darüber hinaus gibt es handwerksähnliche Gewerbe. Ein zulassungspflichtiges Handwerk darf nur ausführen, wer entweder die Meisterprüfung abgelegt hat bzw. über eine vergleichbare Qualifikation verfügt oder wer als so genannter qualifizierter Geselle mindestens sechs Jahre Berufserfahrung – davon vier Jahre in leitender Position – aufweisen kann. Wenn der Nachfolger diese Anforderungen nicht erfüllt, bestehen weitere Möglichkeiten darin, das Unternehmen zusammen mit einem Partner mit der entsprechenden Qualifikation zu übernehmen oder einen Mitarbeiter als Betriebsleiter einzustellen, der die genannten Voraussetzung erfüllt und für die technische und fachliche Leitung verantwortlich ist. Für die zulassungsfreien Handwerke ist der Meisterbrief nicht erforderlich, allerdings sollte die Bedeutung der Bezeichnung „Meisterbetrieb“ als Qualitätssiegel für den Kunden keinesfalls unterschätzt werden. Der Nachfolger startet mit der persönlichen Eintragung in die Handwerksrolle (für zulassungspflichtige und zulassungsfreie Handwerke) bzw. in das Verzeichnis der handwerksähnlichen Betriebe.

Bei der Suche nach einem passenden Handwerksbetrieb können die Betriebsvermittlungsbörsen der Handwerkskammern hilfreich sein. 

Finanzen: Bewertungsstandard dient als Orientierungshilfe bei der Kaufpreisfindung

Im Vergleich zu vielen anderen Wirtschaftsbereichen wie beispielsweise Industrieunternehmen sind Handwerksbetriebe zumeist weniger kapitalintensiv, da unter anderem für Maschinen und Anlagen zumeist keine hohen Investitionen erforderlich sind.

Handwerksbetriebe zeichnen sich oftmals durch eine hohe Standorttreue, Durchhaltevermögen und einem engen persönlichen Verhältnis zwischen Unternehmer und Mitarbeitern aus. So werden beispielsweise auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Arbeitsplätze nicht so stark abgebaut wie in anderen Bereichen. 

Diese Besonderheiten haben allerdings auch zur Folge, dass es vor allem innerhalb der Familie häufig Übernahmen von unrentablen Unternehmen gibt. Aufgrund der hohen Heterogenität im Handwerk gibt es hinsichtlich der Bestimmung des Unternehmenswertes kein einheitliches Verfahren. Allerdings sollten die Besonderheiten von Handwerksbetrieben beachtet werden. Eigentum und Leitung liegen oftmals in einer Hand, so dass die Ertragslage maßgeblich von der Unternehmerpersönlichkeit beeinflusst wird. Der Motivation für die unternehmerische Tätigkeit liegen häufig nicht nur berufliche, sondern auch private Ziele zugrunde. Nicht selten gibt es Verflechtungen zwischen privatem und betrieblichem Vermögen. Für die Bewertung eines Handwerksbetriebes kann der so genannte „AWH-Standard“ als Orientierung dienen, der vom Zentralverband des deutschen Handwerks in Zusammenarbeit mit betriebswirtschaftlichen Beratern der Handwerkskammern entwickelt wurde. Dieser Bewertungsstandard basiert auf dem Ertragswertverfahren.  

Recht: Nachfolger muss Pflicht zur Rentenversicherung prüfen

Selbstständige Handwerker, die in der Handwerkerrolle eingetragen sind, unterliegen der Rentenversicherungspflicht. Die Möglichkeit zur Befreiung besteht, wenn mindestens 216 Kalendermonate (18 Jahre) lang Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden. Potenzielle Nachfolger können als Junghandwerker für die ersten drei Jahre im Rahmen der Selbstständigkeit eine Reduzierung auf den halben Regelbeitrag beantragen. In jedem Fall müssen die Kosten für die Rentenversicherung bei der Bestimmung des Kapitalbedarfs und der gesamten Finanzplanung berücksichtigt werden. 

Emotionen: Dominante Rolle des Übergebers erschwert die Unternehmensführung durch den Nachfolger

Bei Handwerksbetrieben nimmt der Unternehmer in der Regel eine zentrale Stellung ein und übt in den Funktionen als Inhaber und Leiter einen dominanten Einfluss auf das Unternehmen aus. Dies kann dazu führen, dass sich der Nachfolger bei der Unternehmensführung gegenüber den Mitarbeitern und Kunden mit Kompetenz- und Akzeptanzproblemen auseinandersetzen muss. Dies gilt für Übernahmen innerhalb und außerhalb der Familie gleichermaßen.  

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