1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Arztpraxen

Im Freistaat Sachsen herrscht zurzeit in einigen Gebieten ein Mangel an Ärzten. Für angehende Ärzte bedeutet dies, dass ihre Chancen, eine Praxis übernehmen zu können, so gut stehen wie lange nicht. Allerdings gilt es dabei durch den übergebenden als auch den übernehmenden Arzt neben den allgemeinen Herausforderungen von Unternehmensnachfolgen verschiedene Besonderheiten einer Praxisübernahme zu beachten. Diese Besonderheiten beziehen sich auf die Suche und Auswahl eines Nachfolgers sowie die finanziellen, emotionalen und steuerlichen Aspekte. 

Suche und Auswahl: Öffentliche Regelungen bestimmen die Nachfolgersuche

So ist in Deutschland für die Ausübung eines ärztlichen Berufes eine Approbation oder eine Berufserlaubnis erforderlich. Diese wird im Freistaat Sachsen durch Landesdirektionen erteilt. Eine solche Approbation ist auch eine von mehreren Voraussetzungen für die Eintragung in das Arztregister und damit für die vertragsärztliche Zulassung. 

Letztere ist von besonderer Bedeutung, da im Freistaat Sachsen wie in anderen Bundesländern der Anteil der Privatpatienten, für die Leistungen ohne vertragsärztliche Zulassung abgerechnet werden dürfen, gering ist. Handelt es sich nicht um ein arztgruppenbezogen und räumlich überversorgtes Gebiet, besteht bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf eine vertragsärztliche Zulassung, sofern bei dem Antragsteller die persönlichen und fachlichen Voraussetzungen vorliegen. In einem gesperrten Gebiet hingegen kann eine vertragsärztliche Zulassung nur durch die Übernahme einer bestehenden Praxis im Rahmen eines Nachbesetzungsverfahrens erfolgen. Zwingender Teil dieses Nachbesetzungsverfahrens ist eine Ausschreibung des freiwerdenden Vertragsarztsitzes, innerhalb derer potenzielle Interessenten zu einer Bewerbung aufgefordert werden. Eine Liste freiwerdender Vertragsarztsitze kann über die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen bezogen werden beziehungsweise ist im Internet der KVS als Praxisbörse abrufbar. Die Kassenärztliche Vereinigung nimmt die Bewerbungen interessierter Ärzte entgegen und fasst sie in einer Liste zusammen, die dem Zulassungsausschuss und dem abgabewilligen Vertragsarzt oder seinen Erben ausgehändigt wird. Der Bewerber erhält zeitgleich eine Information über den Eingang der Bewerbung. Bei mehreren Bewerbern entscheidet der Zulassungsausschuss nach pflichtgemäßem Ermessen. Dabei kommen als Auswahlkriterien insbesondere die berufliche Eignung, das Approbationsalter, die Dauer der ärztlichen Tätigkeit sowie der familiäre Bezug zum bisherigen Vertragsarzt zur Anwendung. Die Kassenärztlichen Vereinigungen führen für jeden Planungsbereich eine Warteliste. In die Warteliste werden auf Antrag die Ärzte, die sich um einen Vertragsarztsitz bewerben und in das Arztregister eingetragen sind, aufgenommen. Bei der Auswahl der Bewerber für die Übernahme einer Vertragsarztpraxis ist die Dauer der Eintragung in die Warteliste zu berücksichtigen. Bei Gemeinschaftspraxen können die übrigen beteiligten Ärzte einen Nachfolger auswählen, indem sie andere Bewerber ablehnen. 

Finanzen: Erste Einschätzung des Praxiswertes und zusätzliche Fördermaßnahmen für Praxisübernahmen

Die Übergabe einer Arztpraxis und die dazu erforderlichen Regelungen obliegen dem Praxisveräußerer und dem Nachfolger. In der Regel werden die Arztpraxen zum Praxiswert, der sich aus dem materiellen und immateriellen (Goodwill) Praxiswert zusammensetzt, übergeben. 

Aufgrund des Mangels an Ärzten im Freistaat Sachsen sind vom Landessausschuss der Ärzte und Krankenkassen Fördermaßnahmen beschlossen worden, die die allgemein zur Verfügung stehenden Förderprogramme zur Finanzierung von Unternehmensnachfolgen ergänzen. Bei diesen Fördermaßnahmen handelt es sich insbesondere um Investitionspauschalen, Sicherstellungszuschläge mit oder ohne Rückzahlung und fallzahlabhängige Bonuszahlungen. Eine Auflistung der Fördermaßnahmen in der vertragsärztlichen Versorgung ist über die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen zu beziehen. 

Emotionen: Patientenbindung als große Herausforderung

Zwischen Arzt und Patient entwickelt sich oftmals über Jahre ein Vertrauensverhältnis, das sich nicht einfach auf einen nachfolgenden Arzt übertragen lässt. Um die daraus resultierende Bindung von Patienten an die zu übergebende Praxis zu erhalten, ist bei der Übergabe einer Arztpraxis besonderer Wert auf ein behutsames Heranführen des nachfolgenden Arztes an die Patienten zu legen. 

Wird dieses behutsame Heranführen in Form einer schrittweisen Übereignung des Unternehmens vom Übergeber auf den Nachfolger vollzogen, sollten unbedingt auch die damit verbundenen steuerlichen Konsequenzen berücksichtigt werden. Ansonsten besteht für den Übergeber die Gefahr, auf steuerliche Begünstigungen durch einen Freibetrag und eine Ermäßigung des Steuersatzes verzichten zu müssen. 

Marginalspalte

Ansprechpartner

Fotos: zwei Puzzleteile

Finden Sie im Freistaat Sachsen den richtigen Ansprechpartner zur Unterstützung Ihrer Unternehmensnachfolge. 

Praxisbeispiel Arztpraxis Dr. Flamann

Foto: Arztpraxis Dr. Flamann

Rückblickend gibt Dr. Burkhard Flamann den Ratschlag „Nicht warten, sondern starten“. 

© Institution