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Landwirtschaft

Die sächsische Landwirtschaft zeichnet sich durch ihre äußerst vielfältige Struktur aus. Neben größeren Betrieben in der Rechtsform juristischer Personen sind außerdem Personengesellschaften sowie viele kleinere Einzelunternehmen im Haupt- oder Nebenerwerb anzutreffen. Einerseits ist die Weitergabe eines Betriebes an die nächste Generation in der Landwirtschaft tief verwurzelt, andererseits ergeben sich insbesondere vor dem Hintergrund schwieriger Rahmenbedingungen eine Reihe von branchenspezifischen Besonderheiten. Bei der Hofübergabe sind vor allem bei der Suche und Auswahl sowie bei den finanziellen und rechtlichen Aspekten einige Unterschiede zu nennen. Auch die emotionalen Herausforderungen haben in der Landwirtschaft einen besonderen Stellenwert. 

Suche und Auswahl: Fehlende Hofnachfolge kann jeden Betrieb treffen

Der Anteil an Betrieben, die im Rahmen einer Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie an die nächste Generation übergeben werden, ist in der Landwirtschaft im Vergleich mit anderen Branchen ausgesprochen hoch. Zwar stellt bei landwirtschaftlichen Familienbetrieben derzeit die Erbfolge fast den einzigen Weg einer Betriebsübergabe dar, dennoch wird die Bedeutung familieninterner Hofübergaben in Zukunft tendenziell abnehmen. 

Für diese Entwicklung gibt es unterschiedliche Gründe. So orientieren sich beispielsweise die beruflichen und persönlichen Entscheidungen jüngerer Menschen immer seltener an Vorstellungen und Präferenzen innerhalb der Familie. Auch wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe können daher von einer fehlenden Hofnachfolge betroffen werden, so dass die Fragestellung zunehmend wichtiger wird, wie landwirtschaftliche Betriebe auch außerhalb der familiären Erbfolge übergeben werden können. Vor diesem Hintergrund besteht die besondere Herausforderung für den Übergeber darin, die Bereitschaft zu einer familienfremden Nachfolge abzustimmen und mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten frühzeitig zu beginnen. Bei Absolventen in agrarwissenschaftlichen Studiengängen an Hoch- und Fachhochschulen gibt es zahlreiche Interessenten, die nicht aus einem elterlichen Betrieb kommen und die trotzdem an der landwirtschaftlichen Selbstständigkeit interessiert sind. Aus der Perspektive möglicher Existenzgründer in der Landwirtschaft zählen der Zugang zu Hofstellen und der Zugang zu Land die zentralen Herausforderungen dar. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass Unternehmensnachfolgen in der Landwirtschaft zumeist einen regionalen Fokus haben, so dass es zu klären gilt, ob am Standort ein Betrieb zur Übergabe ansteht und ob genügend landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stehen.  

Finanzen: Gleitende Hofübergabe kann auch außerhalb der Familie vereinbart werden

Die Finanzierung einer Unternehmensnachfolge in der Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, dass der Kapitalbedarf pro Arbeitskraft und folglich die Kapitalintensität in etwa doppelt so hoch ist wie in der gewerblichen Wirtschaft. Zwar verfügen landwirtschaftliche Betriebe im Vergleich zu mittelständischen Unternehmen anderer Branchen über sehr hohe Eigenkapitalquoten, allerdings können selbst erfolgreiche Betriebe nur mit einer geringen Verzinsung des eingesetzten Kapitals rechnen. 

Während in der Vergangenheit vor allem Grundschulden bei der Besicherung von Krediten maßgeblich waren, spielen für Banken heute verstärkt die Risiken sowie die Ertragskraft der Kreditnehmer eine entscheidende Rolle. Die skizzierten Rahmenbedingungen sowie die Veränderungen im Bankensektor haben dazu geführt, dass Banken gegenüber Finanzierungen im Bereich der Landwirtschaft tendenziell vorsichtiger und der Zugang zu Krediten schwieriger geworden ist. Eine familienexterne Hofübernahme kann in der Regel nicht überwiegend durch Bankdarlehen realisiert werden, so dass eine solide Finanzierung mehrere Möglichkeiten in Betracht ziehen muss. Sowohl innerhalb der Familie als auch unter Nichtverwandten kann eine so genannte gleitende Hofübergabe vereinbart werden, bei der der Betrieb sukzessive übergeben wird. In diesem Zusammenhang kann aus Sicht des Nachfolgers auch die Pacht eines Betriebes eine sinnvolle Option darstellen. Allerdings muss bei dieser Form der Betriebsübergabe darauf geachtet werden, dass sich die steuerlichen Konsequenzen nicht negativ auswirken. Weiterhin ist zu prüfen, ob spezielle Förderprogramme für die Landwirtschaft wie beispielsweise das Agrarinvestitionsförderungsprogramm bei der geplanten Unternehmensnachfolge berücksichtigt werden können.  

Recht: Hofübergabevertrag regelt den Eigentumswechsel an die nächste Generation

In den Neuen Bundesländern richtet sich die Erbfolge auch im landwirtschaftlichen Bereich nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Im Sinne einer langfristigen Planung bildet die rechtliche Grundlage für den Eigentumswechsel bei einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb häufig der so genannte Hofübergabevertrag.

Die Regelung der Hofübergabe zu Lebzeiten hat den Vorteil, dass die individuellen Erfordernisse aller beteiligten Parteien berücksichtigt werden können. Der Hofübergabevertrag beinhaltet in der Regel alle Bestandteile einer vorweggenommenen Erbfolge. Dies umfasst gegebenenfalls auch die zu leistenden Abfindungszahlungen an weichende Erben und etwaige Versorgungsleistungen an die abgebende Generation. Der Hofübergabevertrag muss notariell abgeschlossen werden. Für die familienexterne Übertragung eines landwirtschaftlichen Unternehmens wird in der Regel ein Kaufvertrag oder ein Hofübergabevertrag vereinbart. Auch unter Nichtverwandten kann der Hofübergabevertrag nahezu wie zwischen Familienmitgliedern abgeschlossen werden, allerdings müssen in diesem Fall spezielle Fragestellungen wie beispielsweise die Wohnsituation der abgebenden Generation oder der genaue Prozess der Übergabe geklärt werden. Auch die steuerlichen Aspekte sollten vor dem Vertragsabschluss berücksichtigt werden.  

Emotionen: Zu hohe persönliche Ansprüche an den Nachfolger erschweren die geplante Hofübergabe

Bei fehlenden Nachfolgern innerhalb der Familie wurde der Betrieb in der Vergangenheit häufig aufgegeben. Die Übergabe an einen familienexternen Nachfolger wurde zumeist nicht in Betracht gezogen. Ein weiterer öffentlicher Diskussionsprozess ist notwendig, um auch familienexterne Unternehmensnachfolgen in der Land- und Forstwirtschaft als interessante Alternative beim Generationswechsel ins Bewusstsein zu rücken. 

Die persönlichen Beweggründe für die Hofübergabe liegen sowohl bei familieninternen als auch externen Nachfolgen bei vielen Übergebern auch im emotionalen Bereich. Hierbei sind der Erhalt des Betriebes und die Verantwortung zentrale Beweggründe für die Hofübergabe. Wenn vor diesem Hintergrund an den potenziellen Nachfolger zu hohe persönliche Ansprüche gestellt werden, kann es den gesamten Übergabeprozess maßgeblich erschweren.