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Vom Großvater zum Enkel

Foto: Kokisch Nachfolge

(© SMWA)

Gerade mal 20 Jahre alt und bereits Chef von 13 Mitarbeitern, kann das gut gehen? Sebastian Kokisch, mittlerweile zwei Jahre älter, sagt lapidar: „Es geht.“ 2008 errichtete er eine neue Halle, eine halbe Million Euro wurde investiert. Gleichzeitig büffelte er für den Meisterbrief, den er mittlerweile in der Tasche hat. Und das geht? „Es geht, wenn man nur will“, bekräftigt Vater Olaf Kokisch, 46 und Schlossermeister. Er wurde bei der Betriebsnachfolge übersprungen – Großvater Gottfried übergab direkt an den Enkel.

Das klingt nach Familiendrama. Doch Olaf Kokisch hatte selbst die Idee. An seiner Stellung ändert sich wenig. „Zehn Jahre war ich der Betriebsleiter für meinen Vater, der sich als echter Schmiedemeister am wohlsten in seiner Werkstatt fühlt. Warum soll ich nicht weitere zehn Jahre Betriebsleiter für meinen Sohn sein.“ Doch das wichtigste Argument von Olaf Kokisch für diese seltene Art der Betriebsübergabe ist: „Die meisten Übergaben innerhalb der Familie scheitern doch daran, dass die Alten nicht loslassen und die Jungen irgendwann nicht mehr warten wollen. Diesen Kardinalfehler wollten wir unbedingt vermeiden.“ Was das Einarbeiten des Filius als Chef angeht – dafür sind Vater und Großvater stets in der Nähe.

Sorgsam ausgearbeitete und notariell beglaubigte Verträge regeln das dienstliche Verhältnis untereinander. Olaf Kokisch kann als Betriebsleiter größere Entscheidungen nicht treffen ohne die Zweitunterschrift des alleinigen Inhabers - seines Sohnes. Ausgeschlossen ist aber auch, dass Sebastian den Betrieb in jugendlichem Überschwang verkauft. Von Betriebsberater Andreas Leidig von der Handwerkskammer Dresden stammte der Rat, das Unternehmen nicht zu vererben, sondern zu verkaufen; für einen Familienbetrieb ein zunächst gewöhnungsbedürftiger Gedanke, doch beugt diese Variante Erbauseinandersetzungen vor. Weiterer Vorteil: Großvater Gottfried konnte Alt-Verbindlichkeiten bedienen und es blieb noch Geld für eine potenzielle Liquiditätsrücklage.

Das Problem dabei war die Hausbank. Sie winkte ab. Metallbau Kokisch wechselte zur Kreissparkasse Meissen, die sich der Mittelstandsförderung verschrieben hat. Sie gewährte das Gründen-und-Wachsen-Darlehen für den Kauf des Enkels vom Großvater. Voraus ging eine Wertermittlung durch von der Kammer vermittelte Gutachter. Alles in allem hat Familie Kokisch, unterstützt vom Betriebs- und einem Steuerberater, die Varianten drei Jahre diskutiert. Als sie sich einig war, dauerte die Übergabe kaum sechs Monate. Und die dienten hauptsächlich der notwendigen Bürokratie.

Seit 1980 hat die vom Urgroßvater gegründete Schmiede ihren Standort in Großenhain. Nach der Wende brach ein großer Absatzmarkt bei Stallanlagen-Ausrüstungen weg. Doch dann kam der Bauboom. Als der Ende der 90er abflaute, wechselte Kokisch rechtzeitig in den Industriebereich und ist heute Zulieferer und Servicebetrieb für ein Großunternehmen der verarbeiteten Holzindustrie, einer renommierten sächsischen Brauerei und baut mit an umwelttechnischen Anlagen für erneuerbare Energien. Auch etliche ausländische Investoren greifen beim Sonderanlagenbau auf den Metallbau Kokisch zurück. Mit der Konstruktionssoftware steht Sebastian Kokisch auf du. Hiermit verdient er sein Geld. Beim Umsetzen verlässt er sich auf seine Mitarbeiter, fast alle „inhouse“ spezial ausgebildet vom Lehrling über Facharbeiter bis zum Meister. 

Kontakt und Informationen

Metallbau Kokisch Inhaber Sebastian Kokisch

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