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Anforderungen an einen Nachfolger

Ein klarer Kriterienkatalog des ausscheidenden Unternehmers zur Auswahl eines Nachfolgers kann diesem in der Regel zu mehr Objektivität verhelfen und damit das Ergebnis verbessern. Werden die definierten Kriterien darüber hinaus offen kommuniziert und von Familienmitgliedern, Mitarbeitern und Umfeld des Unternehmens verstanden, so kann dies helfen, von vornherein drohenden Konflikten vorzubeugen. Zudem bieten klare Auswahlkriterien auch gute Anhaltspunkte zur gezielten Weiterentwicklung möglicher Nachfolger.

Kernauswahlkriterium: Übernahmefähigkeit des Nachfolgers

Der Kriterienkatalog sollte sich dabei an der Frage orientieren, welche Eigenschaften ein Nachfolger benötigt, um übernahmefähig zu sein. Neben den finanziellen, emotionalen, rechtlichen und steuerlichen Aspekten, sind es insbesondere der Wille und die Qualifikation zur Übernahme, die einen übernahmefähigen Nachfolger auszeichnen.

Der Übernahmewille als Teil der Übernahmefähigkeit

Das Unternehmertum ist in der Regel mit hohem zeitlichem und persönlichem Einsatz verbunden. Um diesen Einsatz mittel- bis langfristig aufzubringen, bedarf es eines ausgeprägten Willens seitens des Nachfolgers, ein Unternehmen zu leiten. Insbesondere bei familieninternen Nachfolgen wird dieser Aspekt regelmäßig vernachlässigt und Familienmitglieder treten die Nachfolge im Unternehmen nur deswegen an, um dem Wunsch der Familie gerecht zu werden.

Die Qualifikation als Teil der Übernahmefähigkeit

Die Basis zur Ableitung der notwendigen Qualifikationen eines Nachfolgers ist eine Beschreibung der aktuellen und zukünftigen Aufgaben des Unternehmers. Dabei können die gesuchten Qualifikationen entweder indirekt über die Ausbildung und Erfahrung des Nachfolgers oder direkt über seine Kompetenzen dargestellt und ermittelt werden.

Die Ausbildung kann durch den erreichten Schulabschluss sowie den berufsqualifizierenden Abschluss eines Nachfolgers beschrieben werden, während als Erfahrungen insbesondere Tätigkeiten innerhalb und außerhalb des Unternehmens relevant sind.

Die Kompetenz des Nachfolgers ergibt sich aus dessen Persönlichkeits-, Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz. Die Persönlichkeitskompetenz ist dabei eher grundlegender Natur und gibt dabei wieder, inwieweit der Nachfolger zur Selbstständigkeit, -einschätzung, -verantwortung und -verwirklichung fähig ist, während die Fachkompetenz insbesondere die speziellen Kenntnisse und Fertigkeiten beschreibt, die ein Nachfolger zur Übernahme und Führung eines Unternehmens benötigt. Insbesondere bei kleineren Unternehmen ist es dabei oft von großer Bedeutung, dass ein Unternehmer Fach- und Branchenspezialist ist. Die Methodenkompetenz beinhaltet hingegen insbesondere die Fähigkeit, für Problemlösungen verschiedene Hilfsmittel heranzuziehen. Die soziale Kompetenz als weitere typische Anforderung an einen Nachfolger ist die Fähigkeit zum Umgang mit Menschen. Dieser kommt auch Relevanz im Rahmen des Nachfolgeprozesses zu, wenn der Nachfolger das Beziehungssystem innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu erhalten oder zu modifizieren versucht.

Kriteriengewichtung als Hilfsmittel des Auswahlkriterienkatalogs

Im Rahmen der Definition der Kriterien zur Auswahl eines Nachfolgers sollten diese gewichtet und Ausschlusskriterien festgelegt werden. Dabei erweist es sich oft als sinnvoll, externe Expertise mit hinzuzuziehen. Diese kann auch dabei helfen, die Kompetenzen möglicher Nachfolger zu messen.